20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Weltweite Unzufriedenheit mit Kapitalismus

Laut einer Studie der BBC in der 29000 Menschen in 27 Ländern befragt wurden, ist die Welt mit dem Kapitalismus (zumindest in seiner derzeitigen Form) unzufrieden. Immerhin 23%, also fast ein Viertel der Befragten, finden, dass der Kapitalismus vollkommen gescheitert ist und ein anderes Wirtschaftssystem seinen Platz einnehmen muss. Eine Mehrheit der Befragten ist trotz allem der Auffassung, dass der Kapitalismus reformierbar sei. Selbst in den USA sprechen sich nur 25% für den Kapitalismus in seiner derzeitigen Form aus(rund 15% in den USA sagen, der Kapitalismus müsse ersetzt werden(!)).

Es wurde außerdem abgefragt, wie die Menschen zum Untergang der Sowjetunion stehen und man erhielt auch hier sehr spannende Einblicke.

Weiters kann man annehmen, dass der Kapitalismus noch weitaus unbeliebter ist, als dargestellt, da beispielsweise kein einziges Land aus dem sozialistischen Lager in Lateinamerika und nur drei Länder in ganz Afrika befragt wurden(und selbst in diesen nur Einwohner der Städte).

Gesamtzahlen: Der Staat soll sich einsetzen um….:

    den Wohlstand gerechter zu verteilen

67% für stärkeren Einfluss, 12% für gleichen Einfluss wie heute und 16% für weniger Einfluss

Besondere Verfechter(ab 80%):
Mexiko 92%
Chile 91%
Brasilien 89%
Italien 89%
Frankreich 87%
Spanien 83%
Costa Rica 82%
Ukraine 80%
Panama 80%

Deutschland 77%

Nicht in der absoluten Mehrheit in:
USA 41% (gegen 37%)
Indien 40% (gegen 28%)
Polen 39% (gegen 21%)

Gegner:
Türkei 9% dafür (gegen 74%)

    die Wirtschaft zu regulieren:

56% für stärkeren Einfluss, 14% für gleichen Einfluss wie heute und 22% für weniger Einfluss

Besondere Verfechter:
Brasilien 87%
Chile 84%
Frankreich 76%
Spanien 73%
China 71%
Russland 68%

Deutschland: 54%

Gegner:
Türkei: 9% dafür (gegen 72%)

    die Schlüsselindustrie direkt zu kontrollieren oder zu besitzen:

47% für stärkeren Einfluss, 17% für gleichen Einfluss wie heute und 28% für weniger Einfluss

(aufgrund der besonderen Brisanz alle Länder dargestellt)
Besondere Verfechter(über 70%):
Russland 77%
Frankreich 75%
Ukraine 75%
Chile 72%

Absolute Mehrheit in:
Indonesien 65%
Brasilien 64%
Panama 63%
Costa Rica 61%
Mexiko 61%
Ägypten 55%
Tschechien 54%
Italien 53%
Kenia 52%
China 52%
Nigeria 51%

Relative Mehrheit(gegenüber denjenigen, die das Gegenteil wollen):
Spanien 45% (gegen 23%)
Australien 42% (gegen 25%)
Japan 39% (gegen 33%)
Indien 35% (gegen 29%)
Vereinigtes Königreich 40% (gegen 31%)
Polen 39% (gegen 19%)

Gegner:
Deutschland 31% dafür (gegen 50%)
Kanada 29% (gegen 33%)
Pakistan 24% (gegen 33%)
USA 24% (gegen 52%)
Philippinen 22% (gegen 54%)
Türkei 9% dafür (72% dagegen)

Wenn man daher diejenigen, die keine Angabe gemacht haben, oder mit „kommt darauf an“ geantwortet haben herausnimmt, werden alle drei Einstellungen von der Mehrheit unterstützt.

Interessant auch die Einstellung gegenüber die Auflösung der Sowjetunion: In fast allen Ländern die nicht zum entwickelten Westen gehören, also in der sogenannten Dritten Welt, gibt es diesbezüglich sehr gespaltene Meinungen bzw genießt die UdSSR immer noch sehr große Sympathien(vor allem in Russland und Ägypten). Ingesamt denken nur 54%, dass die Auflösung der UdSSR eine gute Sache war(!) und selbst in Amerika denken 8%, dass die Auflösung der UdSSR negativ war. In Deutschland beträgt diese Zahl übrigens 16%.

Quelle: http://www.worldpublicopinion.org/pipa/pdf/nov09/BBC_BerlinWall_Nov09_rpt.pdf


1 Antwort auf „20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Weltweite Unzufriedenheit mit Kapitalismus“


  1. 1 Knorke 09. November 2009 um 18:39 Uhr

    Ist schon schön zu sehen, dass die Dauerpropaganda für den Kapitalismus nicht bei allen verfängt. Man sieht aber auch, dass es vollkommen wurscht ist, wie groß der Teil der Bevölkerung ist, die das Wirtschaftssystem gut findet. Auch 99% Ablehnung ändern überhaupt nichts an der kapitalistischen Realität. Dazu brauchts halt mehr als nur eine Meinung. Im Übrigen sind diejenigen, die in solchen Umfragen angeben,sich was anderes als den Kapitalismus zu wünschen, keineswegs alle Kommunisten. Darunter sind leider auch Leute, die sich einen neuen Faschismus, religiösen Gottesstaat, eine Militärdiktatur oder ähnlichen Blödsinn wünschen, und das für „antikapitalistisch“ halten.

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