Kämpfen oder Kuscheln? Wohin geht der Bildungsstreik?

Trotz all des Enthusiasmus und der vielen positiven Dinge, im Rahmen des Bildungsstreiks und der Besetzungsbewegung, nehmen die Dinge in einigen Städten einen Verlauf, die viele zwar befürchtet, aber dennoch auf besseres gehofft hatten. Die marxistischen Hochschulgruppen Revolutionär Sozialistisches Forum (Uni Wuppertal) und revolta – antikapitalistische linke haben auf ihren Webseiten jeweils eine kritische Stellungnahme zur Situation an ihren Universitäten veröffentlicht. Beide kritisieren sowohl den hohen Grad an Entpolitisierung, als auch den Kuschelkurs im Bezug auf die jeweiligen Universitätsleitungen. Fraglich bleibt nun, ob derartige Entwicklungen Einzelerscheinungen sind oder eine allgemeine Zersetzungstendenz der Bildungsstreikbewegung erkennbar wird.

Beitrag des Revolutionär Sozialistischen Forums (Uni Wuppertal)
Beitrag von „revolta – antikapitalistische linke“ (Uni Jena)


5 Antworten auf „Kämpfen oder Kuscheln? Wohin geht der Bildungsstreik?“


  1. 1 Soziologie_ist_ein_Kampfsport 23. November 2009 um 2:28 Uhr

    Die Unigala zum 40-Jährigen bestehen der Uni Bielefeld wurde abgesagt.Anscheinend wurde es dem Rektor zu gefährlich und er hat Angst das ein „potentielles Sicherheitsrisiko“ von den Studierenden ausgeht.
    Leider ist das nur ein kleiner Fortschritt, persönlich finde ich das in Bielefeld fast der gesamte Enthusiasmus der ersten Tage verschwunden ist und wieder einmal nur der „harte Kern“ noch aktiv für eine grundlegende Veränderung eintritt. Schade!

  2. 2 Soziologie_ist_ein_Kampfsport 23. November 2009 um 2:32 Uhr

    Hier noch einmal der vollständige,offene Brief des Rektors:

    Erklärung des Rektors der Universität Bielefeld vom 19.

    November 2009

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    das Rektorat der Universität Bielefeld hat heute entschieden, die für den 28. November geplante Uni-Gala anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Universität abzusagen. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, eine Alternative gab es für uns aber nicht.

    Aktuell finden in ganz Deutschland Proteste statt: Studierende und Schüler beklagen die Zustände im deutschen Bildungssystem und fordern Änderungen. Auch in Bielefeld hat es Demonstrationen gegeben. Viele der Forderungen sind nachvollziehbar, zielen aber auf unterschiedliche Adressaten. Auch von den Universitäten werden Änderungen erwartet. Wir nehmen diese Anliegen sehr ernst und arbeiten bereits seit Monaten an einer Reform unserer Studienstruktur sowie an deutlichen Qualitätsverbesserungen im Bereich Studium und Lehre.

    Leider gibt es unter den zumeist friedlichen Demonstranten eine Minderheit, die den Forderungen durch drastischere Maßnahmen Nachdruck verleihen will. So sind und wurden beispielsweise in vielen deutschen Hochschulen Hörsäle besetzt. In unserer Universität kam es am 17. November am Rande eines Festaktes zu „40 Jahre Universität Bielefeld“ zu Demonstrationen und Störungen. Um die Sicherheit der mehr als 700 Gäste zu gewährleisten, musste die Polizei eingreifen. Ich bedauere, dass wir auf die Hilfe der Polizei angewiesen waren. Wir sahen uns aber einer Situation ausgesetzt, in der wir die Sicherheit unserer Gäste nur durch die Polizei sicherstellen konnten.

    Diese Vorgänge und Hinweise auf weitere Aktivitäten führten nun zu einer neuen Bewertung unserer Gala. Das Ergebnis bedauern wir: In einer Zeit, in der wir die Gespräche mit den Studierenden intensivieren wollen, ist jede weitere Zuspitzung zu vermeiden. Wir können und wollen die Veranstaltung daher nicht durch Polizei sichern lassen. Ohne diese Unterstützung können wir allerdings nicht für die Sicherheit unserer Gäste garantieren.

    Ich hätte am 28. November sehr gerne mit Ihnen das Jubiläum unserer Universität gefeiert. Wir hoffen, dies eventuell in einem neuen Rahmen nachholen zu können.
    Die bereits überwiesenen Eintrittsgelder werden selbstverständlich in den kommenden Tagen auf Ihr Konto zurück überwiesen.

    Ich hoffe auf Ihr Verständnis. Bitte bleiben Sie der Universität Bielefeld auch in Zukunft verbunden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Prof. Dr.-Ing. Gerhard Sagerer
    Rektor der Universität Bielefeld

  3. 3 Entdinglichung 25. November 2009 um 12:56 Uhr

    irgendwie das Gleiche wie vor 10-15 Jahren: Studis die meinen, sie können Unileitungen und BildungspolitikerInnen mit einem sowohl in Form wie in Inhalten moderatem Kurs beeindrucken – dabei nicht begreifend, dass das von der Gegenseite als Signal aufgefasst wird, nicht nur keine Zugeständnisse zu machen sondern die ganze Scheisse durchziehen zu können … ist auch mit dem Problem verbunden, dass die Mehrheit der Studierenden sich als Teil des „Organismus“ Uni begreift, welcher als tendenziell harmonisch und konfliktfrei wahrgenommen wird

  4. 4 Entdinglichung 25. November 2009 um 16:40 Uhr

    p.s.: interessanter Artikel aus Wien: http://www.sozialismus.net//content/view/1312/1/

  5. 5 Mephisto 30. November 2009 um 17:32 Uhr

    „ist auch mit dem Problem verbunden, dass die Mehrheit der Studierenden sich als Teil des „Organismus“ Uni begreift, welcher als tendenziell harmonisch und konfliktfrei wahrgenommen wird.“

    Genau dies ist tatsächlich das Hauptproblem an den Hochschulen, wenn es darum geht Widerstand zu organisieren. Viele sehen die Universität als einen Raum im sozialen Vakuum, der von den üblichen sozialen Konflikten nicht berührt wird.

    Der Artikel ist übrigens wirklich sehr interessant. Überraschen kann es einen leider nicht.

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